Unsere Rinder

Unsere Rinderherde besteht aus Mutterkühen, vorwiegend der Rasse Tiroler Grauvieh. Die Ursprünge gehen weit in die Vergangenheit zurück; schon die Römer kannten die Vorzüge dieser Rasse der Berge. Die Graukühe sind im Vergleich zu anderen Rassen relativ kleinwüchsig, zeichnen sich jedoch durch ihren Naturinstinkt und ihre Robustheit aus. Ein wichtiger Grund, warum wir uns für diese Rasse entschieden haben, ist ihre hervorragende, oft prämierte Fleischqualität.

Wir setzen auf den Natursprung, weshalb unsere Stiere das ganze Jahr über mit der Herde laufen und für Ausgeglichenheit und Nachwuchs sorgt. Die Stiere entstammen der italienischen Rasse Piemonteser, die speziell für gutes Wachstum und Fleischqualität bekannt ist. Sie ist die einzige europäische Rasse, in der asiatisches Zeburind-Blut zu finden ist, was sie gegen Sonneneinstrahlung und Hitze besonders tolerant macht.

Aus der Kombination dieser beiden Rassen entstehen Kälber, die mit unserer Freilandhaltung und unserem nährstoffreichen Futter ideal heranwachsen.

Die Aufzucht

Unsere Mutterkühe ziehen ihre Kälber bis zu einem Alter von rund 10 Monaten selbst groß, bis sie nach einer rund 2-monatigen Ruhepause wieder kalben, für das unsere Stiere im Natursprung sorgen. Nach der Geburt in unserem Winterstall sind Kuh und Kalb für 3 Tage in einer separaten Box, bis wir sicher sind, dass das Kalb trinkt und beide gesund und aneinander gewöhnt sind. Danach geht’s zu der Gruppe Mütter mit Kälbern, wobei immer ein nur für Kälber zugänglicher Liegebereich bereitsteht. Gerade wenn sie noch jung sind, steht öfter mal eine Kuh vor dem „Kindergarten“ und ruft schon, aber das Kalb lässt sich bitten, bis es dann doch rauskommt und die Kuh von ihrer Milchlast befreit.

Das Futter für unsere Rinder besteht hauptsächlich aus der mit dem Klee verwandten Luzerne und Futtergrasarten. Die Luzerne ist sehr schmackhaft und nährstoffreich und bereichert außerdem den Ackerboden für die folgenden Kulturen unserer Fruchtfolge. Im Sommer fressen die Rinder das frische Grün direkt von den Feldern. Für die meist 5 Monate lange Winterperiode wird im Sommer Luzernegras zu Heu gepresst. Dieses steht der Herde dann unbegrenzt zur Verfügung. In der Ausmast füttern wir Biogetreide als Kraftfutter zu. Als besonderen Leckerbissen gibt es manchmal karotinreiche Bio-Futterkarotten. Selbstverständlich sind alle eingesetzten Futtermittel aus kontrolliert biologischem Anbau und somit gentechnikfrei erzeugt.

Im Winter im Stall …

Im Winter bewegt sich unsere Herde in einem offenen Laufstall auf unserem Hof. Unser Kuhstall ist offen gegenüber der Vormittagssonne und doch windgeschützt gegen Westen, die Strohmatratze wärmt im Liegekontakt von unten. Jeden Tag streuen wir eine Tonne Stroh über die ganze Fläche, denn ein sauberes Fell und Euter sind uns wichtig, auch um den Keimdruck hintan zu halten.

Unsere Rinder tragen Hörner – Enthornung würde uns nicht im Traum einfallen –, daher haben wir den Platzbedarf angepasst und geben unseren Kühen um 50 % mehr Platz als von den Bio-Richtlinien vorgeschrieben wird. Bei der Fütterung ist uns wichtig, dass rangniedere Kühe nicht benachteiligt werden. Daher ist bei uns der Futterbarren immer gefüllt. Mit unserem Futterwagen können wir für jede Gruppe bedarfsgerecht Luzerneheu, Grünroggensilage, Maissilage und zum Drüberstreuen Karotten zuteilen.

 

Unser neugebauter Maststall hat sich Zehetners BOA Kuhhotel und das englische Roundhouse zum Vorbild genommen. Viel Luft, viel Sonne und eine immer trockene warme Liegefläche halten wir für die besten Zutaten für eine gesunde Wintermastperiode. Wir haben bereits einen Winter mit Nebel, Sturm und Kältewelle überstanden und bei 120 Rindern keinen einzigen Krankheitsfall im Maststall behandeln müssen. Die Form des Stalls mit der Fütterung ringsum erlaubt es, dass alle Mastrinder gleichzeitig fressen können, zum Ruhen können sie sich in die Stallmitte zurückziehen und zwar alle 4 Boxen mit Sichtkontakt zueinander. Das gibt den jungen abgesetzten Rindern sehr viel Ruhe und Sicherheit, wenn sie sich in eine große, geschlossene Herde zurückziehen können.

… und im Sommer auf der Weide

Der schönste Teil unserer Arbeit ist die Weidehaltung.  Ab Mitte April bieten die Weiden wieder genug Futter und die Herde übersiedelt wieder ins Grüne. Jeden Tag bekommen unsere Tiere ein frisches Stück Weide mit saftiger Luzerne und Futtergräsern. Die Weide ist in mehrere Koppeln eingeteilt, damit das abgegraste Grün wieder ungestört nachwachsen kann. Die Rinder zeigen den - dem Menschen oft unangenehmen - Witterungseinflüssen, wie z.B. Regen, "die kalte Schulter" oder eher den dampfenden Rücken. Bei Hitze und Sonnenschein liegt die Herde am liebsten auf einem Hügel und überlässt dem stetigen Marchfeldwind den Wärmeabtransport.

 

Neben unseren Ackerweiden beweiden wir auch die letzten Naturjuwelen des Marchfelds, seltene Trockenrasenweiden mit Orchideen, Heideröschen und Unmengen an Schmetterlingen sowie in Partnerschaft mit dem WWF das Naturreservat Untere Marchauen in Marchegg. Dort profitieren nicht nur unsere Rinder von der überwältigenden Biodiversität, sondern auch uns geben die Eindrücke von intakter Natur Kraft für unsere manchmal stressige Arbeit.

Besonders schön ist es zuzusehen, wie unsere Rinder ein Teil des Ökosystems werden. Die Herde fördert die an sich lästigen Insekten, aber gleichzeitig eine Vielfalt an Insektenjägern. So besuchen wir bei unserer Weiderundfahrt nicht nur unsere Herde, sondern sehen auch gleichzeitig, wie Stare von Kuhrücken zu Kuhrücken springen um die dickste Bremse zu erhaschen. Oder Störche, die durch den kurzen Rasen schreiten um Heuschrecken zu erbeuten, die sie im langen Gras nicht finden würden. Oder ein seltener Blick auf einen Wiedehopf. Oder das Klicken der jagenden Fledermäuse, wenn der Tag wieder einmal zu kurz war.